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Montag, 09.10.2017

Berateralltag: Probleme bei Zinsland zeigen Risikospektrum

Hintergrund

Wer die Branchenmedien verfolgt, kommt nicht um die Erkenntnis herum, dass die Plattform www.zinsland.de sich in ernsten Schwierigkeiten befindet. Natürlich besteht die Chance, dass diese überwunden werden. Wahrscheinlich erscheint dies derzeit jedoch nicht. Da ist von angeblich unmittelbar bevorstehenden Insolvenzen die Rede, von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eines Zielunternehmens und einer Reihe von Vorkommnissen, die auf angebliche Unregelmäßigkeiten oder Probleme bei Zielinvestments hindeuten.

Die Probleme scheinen jedenfalls so gravierend zu sein, dass sich auch die großen Printmedien "Handelsblatt" und "FAZ" zu warnenden Beiträgen veranlasst sahen. Betroffen sollen etwa 2.700 Investoren sein, die rund 20 Mio. EUR einbezahlt haben.

Das Vermögensanlagen-Informationsblatt gemäß § 13 des Vermögensanlagengesetzes der www.zinsland.de beginnt mit dem fett und groß gedruckten "Warnhinweis: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen." Viele Crowdinvesting-Zeichner haben offenbar den Text für weit übertrieben und als Ergebnis unsinniger Forderungen dumpfer Bürokraten gesehen.

Dabei ist das genaue Gegenteil richtig: Der Text hätte weitaus drastischer ausfallen müssen. Schon in dem Informationsblatt wird deutlich ausgeführt, dass Crowdinvesting bei Zinsland, wie bei der großen Mehrzahl anderer Angebote auch, über ein "Unbesichertes festverzinsliches Nachrangdarlehn mit qualifiziertem Rangrücktritt" erfolgt. In etwas klarere Sprache übertragen bedeutet dies, dass der Investor sein Geld ohne jede Sicherheit und ohne Gewähr dafür, dass die jeweils genannten Zinsen auch bezahlt werden, einem Unternehmen zur Verfügung stellt, das verspricht, damit Investitionen zu finanzieren, wobei alleine der Crowdinvestor das Risiko dafür trägt, dass die Investition letztendlich einen Gewinn abwirft. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist in aller Regel das Geld des Investors weg.

Problem: Konstruktion als Nachrangdarlehn

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Crowdinvesting der Totalverlust der Investition in den nächsten Jahren recht häufig vorkommt, ist sehr groß. Das liegt schon an der oben beschriebenen äußerst risikoreichen Konstruktion als Nachrangdarlehn, die häufig eine gewisse Sorglosigkeit der Crowdinvesting-Plattform bzw. deren Verantwortlichen zur Folge haben dürfte. Außerdem hat sich gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass gerade diese Gestaltungsform unseriöse bis kriminelle Anbieter magisch anzieht. Tausende deutscher Anleger haben über Nachrangdarlehn bereits große Teile ihrer Altersvorsorge endgültig verloren.

Problem: Auswahl des Zielinvestments

Crowdinvesting ist nun mal eine junge Bewegung, was zur Folge hat, dass bei den Initiatoren der Plattformen sich noch nicht viel Erfahrung angesammelt haben kann. Auch im Falle Zinsland wird von Branchenmedien der Vorwurf der Schluderei und Unprofessionalität erhoben.

Problem: Risikostruktur der Zielunternehmen

Bei den Zielunternehmen handelt es sich nicht um Bayer, Daimler, SAP und Co., sondern um meist kleinste unmittelbar vor der Darlehensaufnahme oder mit dem Geld aus der Darlehensaufnahme gegründete Unternehmen. Die jeweiligen Gründer befinden sich häufig im Zustand des Berufsanfängertums oder verfügen nur über geringe Erfahrungen im beabsichtigten Investitionsfeld. Das Ergebnis: Crowdinvestoren finanzieren meistens Träume.

Fazit

Crowdinvesting bleibt dennoch eine hochinteressante Finanzierungslösung für junge Unternehmer. Wer um die enormen Risiken weiß und sie, ohne einem anderen, z.B. der Familie, zu schaden, bewusst eingeht, der ist im Crowdinvesting auch als Investor richtig. Nur, eine Alternative für die Altersvorsorge-Anlageziele von wahrscheinlich mehr als 80 % der Bevölkerung, ist Crowdinvesting angesichts der aktuellen Marktbedingungen und Umsetzungsformen nicht.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.

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